Um wen handelt es sich…? Freigeistige Variationen über Ernstzunehmendes… (Zutreffende Person bitte ankreuzen)

 

Berlusconi lästerte wieder über Rosy Bindi
Regierungschef Silvio Berlusconi hat wieder mit herablassenden Äußerungen die Oppositionspolitikerin Rosy Bindi (PD) beleidigt.
Bei einer Zeremonie zur Verleihung des Doktortitels an Studenten einer Privatuniversität in Novedrate bei Como erklärte Berlusconi: „Man beschuldigt mich, mich mit schönen Frauen mit wenig Gehirn zu umgeben. Hier gibt es junge hübsche Frauen, die mit der Bestnote promoviert haben und keineswegs Rosy Bindi ähneln“, sagte Berlusconi nach Medienangaben vom Dienstag.
Die 59-jährige Bindi war schon vor Monaten ins Visier des Premierministers geraten. Schon im vergangenen Oktober hatte Berlusconi bei der von RAI 1 gesendeten Politshow „Porta a Porta“ Bindi beleidigt.
„Ich stelle fest: Sie sind schöner als intelligent“, so Berlusconi über die Ex-Gesundheitsministerin. „Ich bin eine Frau, die nicht in ihrem Dienst steht“, erwiderte Bindi in Anspielung auf die Sexskandale, wegen derer Berlusconi im vergangenen Jahr im Rampenlicht internationaler Medien stand. Bindi reagierte auch diesmal gelassen auf Berlusconis Worte: „Ich finde es traurig, dass Berlusconi seine Vulgaritäten immer aufs Neue wiederholt“, so die Parlamentarierin. (…)
Der 73-jährige Berlusconi sorgte bereits öfters wegen abfälliger Bemerkungen über das Aussehen einer Oppositionspolitikerin für Aufsehen.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Turin lästerte er im vergangenen März über die damalige Präsidentin der Region Piemont, Mercedes Bresso: „Wissen Sie, warum Frau Bresso immer so schlechte Laune hat? Weil sie morgens, wenn sie aufsteht und in den Spiegel schaut, um sich zu schminken, sich selber sieht. Dann ist ihr Tag gleich verdorben.“

 stol.it – SÜDTIROL ONLINE, 20. Juli 2010


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Diego Velázquez: Portrait eines Narren mit Hund (1650)

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Wenige Wochen vor seinem siebzehnten Geburtstag bittet er seinen »lieben kleinen Großpapa« um Hilfe: »Ich musste unbedingt eine Frau sehen, damit ich mit meiner schlechten Gewohnheit, zu masturbieren, aufhören kann, so dass Papa mir Geld fürs Bordell gegeben hat, aber 1. habe ich in meiner Aufregung einen Nachttopf zerbrochen und 2. konnte ich in derselben Aufregung nicht vögeln. Ich stehe jetzt wie zuvor da, nur dass ich nochmals ein Geld brauche, um mich zu erleichtern, plus das Geld für den Topf. Aber ich wage nicht, Papa so schnell wieder um Geld zu bitten, und ich habe gehofft, dass Du mir in dieser Situation zu Hilfe kommen wirst, die – wie Du weißt – nicht nur ungewöhnlich, sondern einmalig ist.

Der Vater des Knaben, der seinen Sohn gebeten hatte, die fragliche Gewohnheit »Wenigstens vier Tage lang« zu unterlassen, war ein berühmter Professor der Hygieneforschung. Er hatte über »verschiedene Formen der Gehirnerweichung« habilitiert. Es gibt Biographen, die davon ausgehen, der Empfindliche habe am eigenen Leib keine andere geschlechtliche Praxis kennengelernt als die, die der Vater verhindern wollte. Um welches Genie handelt es sich…:

? Albert Einstein
? Marcel Proust
? Silvio Berlusconi

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»Ich schwärme, in meinen schönsten Stunden, für rein ästhetische Sinnlichkeit, für die Sinnlichkeit des Geistes, für den Geist, die Seele, das Gemüt überhaupt. Ich sage: Trennen wir den Unterleib von der Liebe.«. So lautet die Lebensmaxime des Neunzehnjährigen; im großen und ganzen sollte er ihr treu bleiben. Doch ganz ungestraft scheint sich die Liebe nicht entleiben zu lassen. Dann kann es nämlich sein, der Leib kommt zurück. Zunehmend prekär werden die Körperöffnungen, der Mund, der After, das Ohr. 

Der alternde Mann notiert die täglich zermürbende Qual: »Beim Frühstück Missgeschick des Steckenbleibens von dürrem gebratenen Speck in der oberen Speiseröhre, besonders unangenehm und langwierig. Neigung des Schlundes zu nervöser Kontraktion.« Er erträgt vornehmlich Suppe und weiches Ei. Seine Nahrungsaufnahme wird zu Medikamentation: »Einnahme von etwas zartem Lachsschinken zwischendurch wohltuend.«. Immer wieder ist von »Schlingbeschwerden«, von der »widerwärtigen Nervosität meines Schluckapparats«, von »Schluckverhemmung« und »Schlundreiz« die Rede. Auch plagt ihn ständig »Rektal-Reizung« oder »Rektal-Jucken«, was eine »Oel-Creme, die den Verdauungstrakt schmeidigt«, lindern kann. Dann wieder ist vom »alten Lied: Querdarmverkrampfung« die Rede. Er notiert: »heftige Darmentleerung durch Champagner« oder auch »Obstipation durch den Weißtrank, beängstigend«. Und selbst aus den dunklen Windungen der Gehörgänge droht es: »Unruhige Nacht. Nässendes Ohr. Auswaschung mit Alkohol.« Dann wieder: »Reinigung der überkrusteten Trommelfälle.« Zunehmend wird ihm sein Leib unheimlich.

Das Tier liebte er in der Gestalt des Hundes. »Mein Gemüt wird nur noch freundlich bewegt vom Anblick der Creatur, schöner Hunde, Pudel und Setter.« Um welches Genie handelt es sich…:

? Thomas Alva Edison
? Silvio Berlusconi
? Thomas Mann

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Er war ein dickes enttäuschtes Kind. Sein Leben lang. Die Mutter liebte rigide und fraß ihr Nesthäkchen auf in katholischem Furor. Allabendlich saß der Knabe am Fußende ihres Bettes und gab minutiös Auskunft über die Stunden seines Tages. Unerbittlich rituell fragte sie die letzte Intimität ab. Noch als siebzigjähriger Mann erinnert er sich an diese »abenteuerliche Beichte«, die er bis in die frühen Mannesjahre abzulegen pflegte. Spätestens nach dem frühen Tod des Vaters wuchs der Einfluss der Mutter zur Übermacht. Sie wurde zur allzeit bereiten Gesellschafterin eines Knaben, der keine Freunde haben sollte. Frauen blieben ihm ein Geheimnis. Was eine Menstruation ist, musste ihm dann einer seiner Mitarbeiter erklären: der 27jährige Teamchef hatte die Entschuldigung einer Angestellten nicht verstanden. Sexualität war etwas Dunkles, dass alle anderen dauernd im Verborgenen trieben. Er aß lieber. Und war sich im Prinzip seiner Sublimierung bewusst.

Der Sprache seiner Inspiration ist Schuld. Er ist ein Augenmensch. Die letzten Vertrauten, die seinen Hang zum Sadismus kannten, fürchteten seine kindliche Zärtlichkeit, gepaart mit seniler Obszönität. Um welches Genie handelt es sich…:

? Silvio Berlusconi
? Alfred Hitchcock
? Orson Welles

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»Ich habe eine rasche Hand und ein promptes Gedächtnis. Wenn ich arbeite, fließt mir’s nur so zu, ich brauche nicht zu pressen und nicht zu drücken.« Das Pressen und Drücken war ihm kein geistiges, sondern ein körperliches Problem. Immer wieder beschreibt er in aller Ausführlichkeit seine bösen Verdauungsbeschwerden: »Mein Stuhl ist so hart, dass ich gezwungen bin, ihn unter großen Schmerzen herauszupressen, bis mir der Schweiß herabrinnt; und je länger ich es aufschiebe, um so härter wird der Stuhl.« Oder auch: »Nun sitze ich da mit Schmerzen wie eine Wöchnerin, aufgerissen, verletzt und blutig und werde die Nacht keine oder nur eine mäßige Ruhe haben.« Die von Freunden angeratenen Abführmittel helfen nicht. 

Dies hätten seine Gegner bedenken können, wenn er sie schmähte, sie seien »Scheiß-Poeten«, man müsse sie »hinwegscheißen«, aus ihren Mündern soll ein »Scheißhaus werden« und er werde sie mit »Eselsfürzen« füttern.
Von einer Frau erwartet er wie von allen »Seichlöchern« (eine seiner Vokabeln für das andere Geschlecht), sie solle entsprechend der weiblichen Natur »breite Hüften und Gesäß haben, daheim bleiben, im Hause still sitzen, haushalten, Kinder tragen und ziehen«. Um welches Genie handelt es sich…:

? Martin Luther
? Arnold Schönberg
? Silvio Berlusconi

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Sein Vater war ein brutaler Schläger, der seine Kinder als Arbeitssklaven hielt. Schutz fand der Kleine höchstens beim nächstälteren Bruder, der die Prügel besser wegsteckte und den Wimmernden mit in sein Bett nahm. Manchmal, wenn der Junge allein war, schlich er ins Schlafzimmer der Eltern, zog sorgsam die Kleider der Mutter an, schminkte sich wie sie, stand lange vor dem Spiegel. Und lächelte: Nun war er die Mutter, schön, zuversichtlich, verlässlich. Als Kind half er sich, indem er in Rollen schlüpfte, bis er ein anderes Medium erfand, mit dem er durchspielte, was er brauchte. Sein Thema, um das er in abenteuerlichen Varianten kreiste, war die Heiligkeit der Familie, die keusche, die heitere Kindheit. 

Er ist begabt und penibel bis zur Besessenheit. Zusammen mit seinem Lieblingsbruder gelingt es ihm sehr schnell ein Imperium zu errichten, in dem er seine hochqualifizierten Angestellten autoritär führt, schlecht bezahlt und bespitzelt. Er wurde Patriarch. Seine Familie war seine Firma. Alkohol ist verboten. (Nur er soff.) Sex unter Mitarbeitern gilt als sofortiger Kündigungsgrund. (Er war meist impotent.) Um welches Genie handelt es sich…:

? Silvio Berlusconi
? Walt Disney
? Karl Marx

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Nachdem der liebende Großvater dem lockigen Wunderkind die Haare hatte abschneiden lassen, war er selbst unangenehm berührt. Statt eines Engelchens saß vor ihm auf einmal einer rasierte Kröte. Die Mutter schloss sich ins Zimmer ein und weinte. Der liebesverwöhnte Junge war nur kurz irritiert. Er hatte viel vor. Zunächst durchstemmte er als Übermensch seinen Knabenalltag und erklärte bald einem verblüfften Freund: »Ich will derjenige sein, der am meisten weiß.« Noch nicht dreißigjährig stürzt ihn der beginnende Haarausfall in eine Perönlichkeitskrise: Es war »für mich ein symbolisches Desaster«. Hübscher wurde der gerade einen Meter siebenundfünfzig große Mann nicht, auch wenn er sich intensiv mit Bodenturnen oder am Stufenbarren und vor allem als Boxer trainierte.

Unser Mann wurde reich, was seinen Hang zum Größenwahn entgegenkam. Nun konnte er Geld ausgeben: »Nicht um etwas zu kaufen, sondern um diese monetäre Energie explodieren zu lassen, sie mir gewissermaßen vom Hals zu schaffen und weit von mir weg zu schleudern wie eine Handgranate.« Konkret sah das so aus, dass er sich Scheine in die Taschen stopfte und sie bündelweise auf die Restauranttische warf. Er bezahlte immer für alle. Er baute an einem familiären Netz von Abhängigkeiten.

Als ein neuer Sekretär schüchtern den Vorschlag machte, dass es hinsichtlich der abzugebenden Einkommenssteuererklärung vielleicht sinnvoll wäre, eine Gesellschaft zu gründen, fand er einen solchen Gedanken absurd. Er lebt aus dem Vollen in einer schwindelnden Mischung von Großzügigkeit und absolutem finanziellen Desinteresse. »Es gibt«, sagt er, » so etwas wie eine Vergänglichkeit des Geldes, die ich liebe: Ich liebe es, es mir durch die Finger rinnen und verschwinden zu sehen. Es muss in ungreifbaren Feuerwerken davonstieben. Zum Beispiel an einem Abend.«  Um welches Genie handelt es sich…:

? Ludwig Wittgenstein
? Silvio Berlusconi
? Jean-Paul Sartre

Lebensbeschreibungen: Angelika Overath, Manfred Koch. Silvia Overath, »Genies und ihre Geheimnisse«, Berlin 2006. 
Rätselfassung: Renald Deppe, SchwanenXong 2010.

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