Archiv für den Tag: 2. Juli 2010

Freigeist-Exkurs: Über Leistung, Erfolg, das Wachstum der Nullen, progressive Arbeitslosigkeit, Gedichte und Licht- und Gartenstädte …

Diagnose: Ausgebrannt
Volkskrankheit Burnout: Immer mehr Menschen kommen mit dem hohen Leistungsdruck, den hohen Ansprüchen ihres Chefs und der Konkurrenzsituation am Arbeitsplatz nicht mehr klar – und werden krank. Persönliche Unzulänglichkeiten? Nein, sagen Psychologen: Burnout ist die Folge eines Systems, das nur Leistung und Erfolg kennt. (…)

ff – Das Südtiroler Wochenmagazin, Ausgabe 25 vom 14. Juni 2010

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BERUFSARBEIT UND FREIZEIT

Auf der einen Seite soll man bei der Arbeit
konzentriert sein, sich nicht zerstreuen, keine
Allotria treiben; darauf beruhte einst Lohn-
arbeit, und ihre Gebote haben sich verinner-
licht. Andererseits soll die Freizeit, vermut-

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lich damit man danach um so besser arbeiten
kann, in nichts an die Arbeit erinnern. Das
ist der Grund des Schwachsinns vieler Frei-
zeitbeschäftigungen.

(TH. W. Adorno)


Eine Zweiteilung in stumpfe Anspannung und in eine Zerstreuung, die, wie schon der Name sagt, alle Formen auflöst und sozusagen ein Maximum an Entropie (Informationsverlust) und Passivität erstrebt, muss fast alle Bereiche des Lebens verseuchen. Äußeres Zeichen dafür ist, dass sowohl Arbeiten als auch Freizeitbeschäftigungen die Erde buchstäblich verseuchen.

Produkte einer Arbeit, die nur geleistet wird, damit man sich anderswo zerstreuen kann, müssen arm und hässlich sein. Es fehlen viagra without a prescription ihnen nämlich genau jene Impulse, die in der Freizeit ziellos verpulvert werden.

Andererseits kann die Freizeit nur stumpfsinnig verbracht werden. Es fehlt ihr nämlich jene Energie, die während der Arbeit von fremden Interessen aufgefressen wird.

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ERFOLG UND MISSERFOLG

Jede Art von Erfolg ist so suggestiv, dass immer ein Teil unseres Wesens ihn anbetet, mag der Verstand dazu sagen, was http://discountpharmacy-rxstore.com/ er will. Im Überspielen des Verstandes verraten sich immer die stärksten Antriebe. In gewisser Hinsicht ist ja jeder Erfolg gleichbedeutend mit dem Leben, und jeder Misserfolg gleicht dem Tod. Erfolg kann leicht zum Ruin führen oder sich in Nichts auflösen, im Augenblick aber ist er Leben in gesteigerter Form, und deshalb gibt es Fasern in uns, die sich zu ihm hingezogen fühlen, mag ihm auch die Erbärmlichkeit auf die Stirn geschrieben sein, oder mögen wir ihn vor den anderen noch so sehr verspotten. Dem Spott über Prominente, ob er nun treffend ist oder nicht, ist stets ein Schielen beigemengt.

Zur Zeit der Vorherrschaft der Kirche gab es den imaginären Erfolg derer, die nach dem Tod reüssieren würden. Die letzten viagra without prescription hier konnten dort die ersten sein. Sofern dieser Aberglaube allgemein war, hatte er immerhin die Wirkung, dass er die Erfolge im öffentlichen Leben zumindest bis zu einem gewissen Grad relativierte.

Als die Vorstellung eines Erfolges oder Scheiterns nach dem Tod im öffentlichen Bewusstsein erlosch, blieb die nackte Bewunderung des Erfolgs zurück, also die Anbetung des Florierenden oder vielmehr des Wuchernden. Es bedeutet eine gewisse Erleichterung, wenn so ein bequemer Maßstab wie das Geld zur Hand ist, mit dem die Größe des Erfolgs eindeutig gemessen werden kann. Früher konnte man sich nie ganz sicher sein, ob man nicht von irgendeiner obskuren Existenz ausgestochen werden würde. Jetzt verlor der Misserfolg jede Zweideutigkeit.

Die repräsentative Figur, die den nackten Erfolg vorzeigt, ist der Schauspieler, und zwar jener, der nicht spielen kann, der also nicht durch sein Können, sondern als purer Fetisch der Existenz fasziniert.
Der nackte Erfolg wird am besten durch das nackte Idol symbolisiert. Immerhin ist es bemerkenswert, dass pures Geld nicht genügt: Das Privatleben massachusetts board of pharmacy des Idols muss eingefärbt werden, muss anrüchig, schillernd, götzenhaft sein. In dieser Forderung erkennt man das geistige Bedürfnis auf seiner untersten Stufe.

Gerhard Amanshauser, Freigeist.

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DER DADAISMUS FORDERT:

1. die internationale revolutionäre Vereinigung aller schöpferischen und geistigen Menschen der ganzen Welt auf dem Boden des radikalen Kommunismus,

2. die Einführung der progressiven Arbeitslosigkeit durch umfassende Mechanisierung raley’s pharmacy jeder Tätigkeit. Nur durch die Arbeitslosigkeit gewinnt der Einzelne die Möglichkeit, über die Wahrheit des Lebens sich zu vergewissern und endlich an das Erleben sich zu gewöhnen,

3. die sofortige Expropriation des Besitzes (Sozialisierung) und kommunistische Ernährung aller sowie die Einrichtung der Allgemeinheit gehörender Licht- und Gartenstädte, die den Menschen zur Freiheit entwickeln.

Der dadaistische revolutionäre Zentralrat. (1920)
Gruppe Deutschland: Hausmann, Huelsenbeck, Golyscheff, Freigeister

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DAS WACHSTUM DER NULLEN

auf einmal wissen
wo dior wohnt
auf buy generic cialis online einmal von tuch und tapeten
einen tau haben
über wen man was rümpft riechen
und wohin man jetzt jettet
mit der vermehrung der nullen
auf den schweizer konten
stimmen sie ein ins vertrauliche
gemauschel
über kitzbühel, st. moritz und
lagerfeld
denn das ist ihre welt
und sonst gar nichts

Elfriede Gerstl, Freigeist.

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MITTERNACHT VORÜBER

Eine schrift, niedergebogen zur erde

Siebzehn sei sie Und warum der mensch geboren
werde
in dieses leben Und wenn auch der dichter

ihr’s nicht sagen könne, wenn
auch er nicht, dann –

Was weiß er denn?

Dass ein gutes gedicht warten kann

Doch wie von diesem wissen abgeben, wie
abgeben davon

Reiner Kunze, Freigeist