Freigeistige Lektionen der Stille: Aus den Zen-Gärten des fernen Ostens (II)

 

“ Gewöhnliche Menschen, die in Unfreiheit befangen sind, haben kein Gewahrsein und kein Wissen, so wie blinde Kinder einer reichen Familie, die in einem Lagerraum voller Schätze sitzen, ohne einen einzigen davon zu sehen, und nur beim Gehen gegen sie stoßen und so von den Schätzen verletzt werden. „

Zhiyi (538-597)

“ Wenn du frei sein willst, lerne dein wahres Selbst kennen. Es hat keine Form, kein Aussehen, keine Wurzel, keine Stütze, keine Wohnung, doch es ist lebendig und voller Spannkraft. Es reagiert mit großer Geschmeidigkeit, doch lässt sich seine Funktion nicht räumlich festlegen. Wenn du nach ihm suchst, entfernst du dich deshalb immer weiter von ihm, und wenn du Ausschau nach ihm hältst, wendest du dich umso mehr von ihm ab. „

Linji (gest. um 866)

“ Der Weg bedarf keiner Kultivierung – es reicht, wenn du ihn nicht verunreinigst. Was ist Verunreinigung? Ein unsteter Geist bringt Gekünsteltes und Erfindungen hervor, all dies bedeutet Verunreinigung. Wenn du den Weg unmittelbar verstehen willst, ist der normale Geist der Weg. Was ich mit »normaler Geist« meine, ist der Geist ohne Künsteleien, ohne subjektive Urteile, ohne Begehrlichkeit oder Abneigung. „

Mazu (709-788)

“ Du darfst das Reiswaschen oder Gemüseputzen nicht anderen überlassen, sondern musst diese Arbeit mit deinen eigenen Händen verrichten. Widme der Arbeit deine ganze Aufmerksamkeit und erkenne, was die jeweilige Situation gerade verlangt. Sei bei deinen Aktivitäten weder geistesabwesend noch von einem bestimmten Aspekt einer Angelegenheit so sehr eingenommen, dass du die anderen Aspekte vernachlässigst. Übersieh nicht einen Tropfen im Ozean der Tugend, indem du die Arbeit anderen anvertraust. Bemühe dich um eine Gesinnung, die danach strebt, die Quelle der Güte auf dem Berg der Güte zu mehren. „

Dogen (1200-1253)

“ Der vollkommene Weg ist nicht schwierig; nimm einfach keine Unterscheidungen vor. Wenn du jenseits von Liebe und Hass bist, ist alles so klar wie das helle Tageslicht.
Jage nicht äußeren Bedingungen nach, ebenso wenig verweile in der inneren Leere. Ruhe im Einssein mit den Dingen und alle Schranken werden verschwinden.
Sobald du »richtig« und »falsch« denkst, gerätst du in Verwirrung und verlierst deinen wahren Geist. Die beiden kommen von dem Einen, aber es darf auch kein Haften an dem Einen geben.
Indem du alle Dinge gleichmütig betrachtest, wird es dir gelingen, zur Natur zurückzukehren. Indem du alle Bedingungen beseitigst, bist du jenseits aller Unterscheidung.
Eines ist die Vielen und die Vielen sind Eins. Kannst du dies erkennen, kannst du aller Sorgen ledig sein.
Der aufrichtige Geist ist Absolut; das Absolute ist der aufrichtige Geist. Schneidest du den Pfad der Sprache ab, bist du jenseits von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „

Sengcan (526-606)