Freigeistiges Gedanken-Feuerwerk…

Die Welt hat nur durch die Extreme Wert
und nur durch das Durchschnittliche Bestand.
Sie hat nur durch die Ultras Wert 
und nur durch die Gemäßigten Bestand.

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Bei jedem Autor findet sich etwas,
das ich nie geschrieben haben möchte.
Auch bei mir selbst.

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Denken? Denken! das heißt den Faden verlieren.

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Der Feigste und der Mutigste
haben die gleichen Aussichten davonzukommen,
größer als diejenigen der durchschnittlich Tapferen
und der durchschnittlich Furchtsamen.

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Die Kunst des Lesens.
Gut liest man nur aus einer ganz persönlichen Absicht heraus.
Etwa um ein bestimmtes Können zu erlangen.
Oder weil man den Autor hasst.

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Die Jugend liebt nicht die Vollkommenen Dinge.
Sie lassen ihr zu wenig zu tun übrig
und ärgern oder langweilen sie.

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Die Logik jagt nur den Logikern Angst ein.

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Leicht sein wie der Vogel, nicht wie der Flaum.

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Beunruhigend ist jemand,
von dem man nicht erraten kann, wie er sich selber beurteilt.
Glücklicherweise kommt das selten vor.
Wer aber nicht beunruhigend ist, taugt nicht viel.

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Das Urteil eines Gläubigen über einen Ungläubigen
und umgekehrt zählt nicht.

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Die Mittelmäßigen werden immer gewandter,
da sie nicht aufhören, ihren mittelmäßigen Bereich zu durchmessen.
Wer aber seine Gewandtheit aufgibt, um linkisch zu werden
… der ist ein Mensch.

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Der Staat ist ein riesengroßes, furchtbares und schwaches Wesen.
Ein Zyklop von berüchtigter Kraft und Ungeschicklichkeit,
das missgestaltete Kind der Gewalt und des Rechts,
die es aus ihren Widersprüchen gezeugt haben.
Er lebt nur dank der unzähligen Menschlein, die unbeholfen seine
trägen Hände und Füße bewegen,
und sein großes Glasauge sieht nur Pfennige und Milliarden.
Der Staat ist jedermanns Freund und des Einzelnen Feind.

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Es gibt Menschen, die wahrheitsliebend sind,
weil sie keinen Grund haben, zu lügen.

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Die Haltung gewohnheitsmäßiger Empörung
ist das Zeichen einer großen Armut des Geistes.
Die »Politik« zwingt ihre Anhänger dazu.
Man sieht ihren Geist von Tag zu tag ärmer werden,
von einem gerechten Zornanfall zum anderen.
Jede Partei hat ihr Empörungsprogramm, 
ihre überlieferten Reflexe.
Jede Partei prophezeit.
Die ganze Politik würde sich ändern,
fänden alle nur schon die Tatsache, dass man verspricht und voraussagt,
unerträglich und unanständig.

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»Überdies …«, sagte die Fee, als sie wegging,
»ich bin beruhigt: Der Mensch kann sich nur Dummes wünschen.«

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Unsere wahren Feinde sind schweigsam.

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Liebet eure Feinde.
Ich liebe die, die mich anregen und die, die ich anrege.
Unsere Feinde regen uns an.

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Wieviel Kinder, wenn der Blick befruchten könnte!
Wieviel Tote, wenn er töten könnte!
Die Strassen wären voller Leichen und schwangerer Frauen.

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Eitelkeit ist nicht anderes als eine Empfänglichkeit für das 
mutmaßliche Urteil anderer über uns.
Im Menschen steckt ein Verräter, der sich Eitelkeit nennt.
Er liefert die Geheimnisse gegen Weihrauch aus.

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Was einfach ist, ist immer falsch.
Was nicht einfach ist, ist unbrauchbar.

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Politik des Lebens.
Die Wirklichkeit ist stets in der Opposition.

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Was ist ein Dummkopf? –
Vielleicht nur ein nicht sehr anspruchsvoller Geist,
der sich mit wenigem begnügt.
Sollte ein Dummkopf ein Weiser sein?

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Der Mensch ist ein Monstrum.
Seine ganze Gewandtheit bietet er auf, um seine Monstrosität zu bewahren
und auf die Spitze zu treiben.
Durch seine Zerstörungskraft ist er der König der Schöpfung.
Nur auf Kosten der Schöpfung kann der Mensch Schöpfer sein.

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Sucht euch Frauen, die an das, was sie sehen, nicht glauben.

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Alles beginnt mit einer Unterbrechung.

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Ein kompetenter Mensch ist, wer sich den Regeln gemäß irrt.

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Wer große Dinge machen will, 
muss gründlich über Kleinigkeiten nachdenken.
Ein bedeutender Mensch ist eine besonders exakte Verbindung 
zwischen Ideen und einer Ausführung.

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Ein Chef ist ein Mensch, der andere Bedarf.

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Ein ernster Mensch hat wenig Ideen.
Ein Mensch mit Ideen ist nie ernst.

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Unser Geist wäre nichts ohne seine Unordnung –
er wäre beschränkt.

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Um böse zu sein, muss man zuerst gut sein;
und um gut zu sein, muss man böse sein;
andernfalls verraucht das »Verdienst«,
und diese Wörter böse und gut besagen: 
Blond oder dunkel, dünn oder dick.

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Ein Staat ist in dem Maße stärker,
in welchem er in sich das bewahren kann,
was gegen ihn lebt und wirkt.

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Die »Zivilisation« ist Perspektive.

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Die Stärke eines Menschen ist auch seine Schwäche,
und um so mehr seine Schwäche, je mehr sie seine Stärke ist.

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Wenn man in harten Stein gravieren müsste,
statt wie im Flug zu schreiben, die Literatur wäre ganz anders.
Und jetzt fängt man an, zu diktieren…!

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Wenn der große kolumbianische Affe den Menschen erblickt,
scheidet er sogleich seine Exkremente aus
und schleudert sie mit vollen Händen auf ihn, was beweist,
1. dass er dem Menschen wirklich gleicht,
2. dass er ihn auf gesunde Weise beurteilt.

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Apolog
Der Frosch wollte sich so groß machen wie der Ochse.
Der Beginn dieser Unternehmung war zufriedenstellend.
Vor dem Zerplatzen konnte er die Illusion haben,
dass er programmgemäß anschwellen würde.
Aber ein anderer Frosch wollte sich so klein machen wie ein Schmetterling.
Er konnte nicht einmal damit beginnen, sich kleiner zu machen.
Moral:
Wa ist leichter, sich größer zu machen oder vielmehr davon zu träumen,
als sich kleiner zu machen.

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Wie selten denkt man zu Ende, ohne zu seufzen.
Am äußersten Ende jedes Gedankens wartet ein Seufzer.

Paul Valéry, Freigeist.

Telugu to Tamil dictionary