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Heimat bist du großer Banken: Freigeistiges über nützliche Werte und wertvollen Nutzen…

 

Leitartikel: Die Halbinsel der Seligen. Warum nicht einmal ein dickes Lob für die Südtiroler Regierung und die Südtiroler Banken? Im neusten Haushalt der Autonomen Provinz Südtirol steht die Zahl beiläufig, am Rande: „Überschuss 2009: 301,5 Millionen.“ Man stelle sich vor, welches Triumphgeheul eine Regierung in Rom, Berlin oder Wien angestimmt hätte, wäre dort ein Überschuss herausgesprungen. (…) Aber die Südtiroler sind in ihrer Mentalität letztlich Bauern geblieben. Was sich außerhalb des Hofes tut, betrachten sie mit gesunder Skepsis. Luis Durnwalder und sein Team haben mit dieser Haltung über die letzten Jahre eine finanzpolitische Bestleistung gezeigt. Entgegen jedem internationalen Trend produzierten sie nicht Defizite sondern Haushaltsüberschüsse in Serie. Auch 2010 ist das Landesbudget mit einem Etat von 5,3 Milliarden Euro zumindest ausgeglichen. Das ist anerkennenswert, weil es an Versuchungen nicht fehlte. Vor allem im Sozialbereich werden dauernd neue Begehrlichkeiten angemeldet. Es wäre wünschenswert, wenn die Kostendisziplin der Regierung auch im Gesundheitswesen und beim Sozialbudget anhält. Hier nähert man sich der Luxusgrenze. Dasselbe Lob darf man auch der Dreifaltigkeit von Sparkasse, Volksbank und Raiffeisenkasse aussprechen. Die drei führenden Südtiroler Finanzhäuser sind auch im globalisierten Umfeld ihrer ultrakonservativen Strategie treu geblieben. Keine ist der Verlockung erlegen, das traditionell unterentwickelte Investment Banking stärker zu gewichten. Einzig im traditionellen Hypothekar- und Firmenkredit-Markt gab es einige wenige Fehlleistungen. Die drei waren ein Erfolgsmodell für das ganze Land. Der Gegensatz zwischen dem bankrotten Italien und Südtirol ist eklatant. (…) Eine sehr respektable Eigenleistung, angereichert mit etwas Profitmentalität. Sagen wir es so: Südtirol ist vielleicht nicht gerade eine Insel, aber zumindest eine Halbinsel der Seligen.
ff-Das Südtiroler Wochenmagazin, Ausgabe 18 vom 06. Mai 2010

“ Denn die Liebe zum Lobe verleitet uns, Bettelmünzen des Beifalls einzuheimsen, um damit vor anderen großzutun. Ja gerade dadurch, daß ich sie an mir aufspüre und verurteile, versucht sie mich, denn oft genug rühmt man sich doppelt eitel der Verachtung des Ruhms; doch dann ist es nicht wirklich Ruhmes Verachtung, deren man sich rühmt. Man verachtet sich ja nicht, wenn man sich rühmt. »Arm und elend bin ich«, aber um so besser, wenn ich mit geheimen Seufzen mir selbst missfalle. „

Augustinus, Freigeist.


“ Musiker sind nicht eitel – sie bestehen aus Eitelkeit; die Eitelkeit ist ein lebensnotwendiger Bestandteil ihres Wesens. Wären sie nicht eitel, sie wären nicht. Schriftsteller sind verkappt eitel, mit sanfter Rückversicherung gegen Ironie, viele Künstler sind eitel. Aber niemand, niemand ist so eitel wie der moderne Kaufmann, wenn er etwas »erreicht« hat. „

Kurt Tucholsky, Freigeist.

 

 “ Haben Sie einmal eine Banknote mit dem Portrait eines großen Dichters oder eines großen Feldherrn, dessen Würde von Hand zu Hand geht, angezündet mit einem Feuerzeug und sich angesichts der Asche gefragt, wo jetzt der verbürgte Wert bleibt? „

Max Frisch, Freigeist.


“ Die Ankunft. Als er durch das Land reiste und die Autobahnen, Umfahrungsstrassen und Tunnelröhren sah, als er durch die Terminals, die Shopvilles und die Wohnparadiese schlenderte, wusste er auf einmal: Es ist soweit. Die Wölfe kommen. „

Franz Hohler, Freigeist.

 

“ Überall, aber vor allem dort, wo das Fieber der Geschäftemacherei verheerende Wirkungen zeigt, muss man lernen, Achtung vor den Müßiggängern zu haben. Sie sind es deshalb, damit sich andere den Genuss des Arbeitens leisten können. „

Miguel de Unamuno, Freigeist.


“ einige sind allerdings gegangen, weil hier die welt keineswegs heil und fotogen ist, weil die Kultur an Verzerrungen leidet und unter kulturmachern vom schlage eines randbemerklers oder showbusiness-managern waschechter tiroler jodel-folklore. wie solide, wie schön, wie edel und unkritisch muss alles sein, um ein bisschen geld oder förderungen zu kriegen aus dem rahmtopf des landes? das hausbackene, biedere, scheinpatriotische wird geradezu übersättigt, was wunder, wenn einer knurrend geht. um sich danach vorwerfen lassen zu müssen, er hätte bei den österreichischen sozis unterstützung und titel gekriegt. eine feine taktik der verekelung ist es auch, wenn feuerwehren, musikkapellen usw. die hochgelobten kulturseiten wegfressen und alles andere verschwiegen, unterschlagen oder erschlagen wird. faire demokratische manieren. „

Norbert C. Kaser, „Alto Adige“, 1978

 




“ Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann. „

Angeblich eine Weissagung der Cree-Indianer, Wahlspruch der europäischen und amerikanischen Umweltaktivisten der 80ziger Jahre.


“ Die »Inseln der Seligen« (griechisch Elysion, lateinisch Elysium) sind in der griechischen Mythologie Orte im äußersten Westen des Erdkreises, an die ausgewählte Helden entrückt werden, um als Unsterbliche ein glückliches Leben zu führen. Die »Halbinsel der Seligen« ist jener Ort in der Mythologie einer spätkapitalistischen Gesellschaft im Westen (Süden, Norden, Osten), welche auf kulturelle Werte weitgehend verzichtetet, sie weder kennt noch benennt, sozusagen ein »Halbes Leben« als »Ganzheitlich Glückliches Leben« vorgaukelt und gewinnbringend verkauft. Um den Profit des Augenblicks, auf Kosten der Lebens- und Erlebnisqualität künftiger Generationen. Die Flucht der dafür verantwortlichen Halbinsel-Helden auf das Festland, auf die nächste »Halbinsel«, ist intendiert, (politisch) garantiert und jederzeit möglich. “ 

Renald Deppe, allen Kulturschaffenden (nicht nur) Südtirols zugeeignet.