Archiv für den Tag: 27. Juli 2010

Kriegers Ahnung: Freigeistiges über das Vergessen und die Nichtachtung jeglichen Befehls…

ALLE TAGE

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
http://viagraonline-forsex.com/ wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Ingeborg Bachmann, Freigeist.

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“ Es ist zwar richtig, dass totalitäre Herrschaft versucht, alle Taten, gute und böse, in der Versenkung des Vergessens entschwinden zu lassen. Aber genauso wie die fieberhaften Versuche der Nazis vom Juni 1942 an, alle Spuren der Massaker zu beseitigen – durch Kremierung, durch Verbrennung in offenen Gruben, durch Sprengungen, Flammenwerfer und Knochenmahlmaschinen -, zum Scheitern verurteilt waren, so waren auch alle Anstrengungen, ihre Gegner » in stummer Anonymität « verschwinden zu lassen, vergebens.

So tief ist keine Versenkung, daß alle Spuren vernichtet werden könnten, nichts Menschliches ist so vollkommen; dazu gibt es zu viele Menschen auf der Welt, um Vergessen endgültig zu machen. Einer wird immer bleiben, um die Geschichte zu erzählen.

Hannah Arendt, Freigeist.

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“ Niemals werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager, die mein Leben in eine lange und siebenmal verfluchte und siebenmal verriegelte Nacht verwandelt hat.

Niemals werde ich den Rauch vergessen. Niemals werde ich die kleinen Gesichter der Kinder vergessen, deren Körper vor meinen Augen unter einem schweigend blauen Himmel zu Rauchspiralen wurden.

Niemals werde ich diese Flammen vergessen, die für immer meinen Glauben aufgezehrt haben.

Niemals werde ich dieses nächtliche Schweigen vergessen, das mir für alle Ewigkeit die Lust zu Leben genommen hat.

Niemals werde ich diese Augenblicke vergessen, die meinen Gott und meine Seele gemordet haben und meine Träume zu Wüstenstaub werden ließen.

Niemals werde ich dies alles vergessen, und wäre ich auch dazu verdammt, so lange zu leben wie Gott selber. Niemals. „

Elie Wiesel, Freigeist, Friedensnobelpreisträger. (1986)
(Am 10. April wurde der sechzehnjährige Elie Wiesel von amerikanischen Truppen aus dem Konzentrationslager Buchenwald befreit. Etwa ein Jahr vorher war er mit seiner ganzen Familie und allen anderen Juden seines Heimatortes Sighet, einer kleinen Stadt in Siebenbürgen, von Menschen in deutschen Uniformen nach Auschwitz deportiert worden. Eli Wiesel war der einzige Überlebende dieser jüdischen Familie und der einzige http://viagraonline-forsex.com/ Zeuge, der noch in ihrem Namen sprechen konnte.)

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» Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer «

Richard Zach, Widerstandskämpfer, Freigeist. (1919/Graz-1943/Berlin, wurde 1942 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.)

Titel des gleichnamigen Buches: Willi Weinert »Ein Führer durch den Ehrenhain der Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof für die hingerichteten WiderstandskämpferInnen 1938-1945«, Wien 2004

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“ Faschist: Ein moralisch, geistig und beinahe physisch negativer Mensch, dessen Negativität sich in Feindschaft, Hass und Zerstörungswillen http://viagraonline-forsex.com/ gegen alles, was positiv ist, äußert.
Mit diesen Eigenschaften nähert sich der Faschist dem Verbrecher und stellt schließlich zusammen mit dem Verbrecher ein und denselben menschlichen Typus dar. Der Unterschied zwischen Faschist und Verbrecher liegt darin, dass der Verbrecher isoliert und einsam ist – und diese Einsamkeit ist sein Drama, sein Heldentum, seine Poesie -, während der Faschist ein kollektiver und sozialer Verbrecher ist. Der isolierte Faschist verliert seine Eigenschaften als Faschist, seine Kraft als Faschist »verdunstet«, er wird scheinbar ein unschädlicher – ein beliebiger – Mensch.

Man musste diese geheime Bedeutung des fascio, des Rutenbündels, aufdecken, nämlich als Symbol für die Einheit, die nötig ist, damit die faschistische Kriminalität wirksam werden kann. „

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Alberto Savinio, Freigeist.

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“ Ich möchte ein Unbehagen aussprechen und eine Frage stellen, auf die ich keine Antwort weiß.

Wenn wir vom Frieden in Europa reden, reden wir von einem Frieden im Krieg. Krieg auf mindestens drei Kontinenten. Der Frieden in Europa ist nie etwas anderes gewesen. So wie der Faschismus eine weiß glühende Episode in dem vielhundertjährigen kapitalistischen Weltkrieg war, ein geographischer Lapsus, Genozid in Europa, statt, was die Norm war und ist, in Südamerika, Afrika, Asien.

Wir reden einander vorbei, wenn wir auf der Ebene der Macht miteinander reden.
Wir reden einander vorbei, wenn wir unsere Differenzen zudecken, statt sie zu formulieren.
Wenn wir über die gleichen Waffen reden, reden wir über die gleichen und über verschiedene Dinge. Rüstung in unserer Welt senkt nicht nur das materielle Lebensniveau. Das beweist sich in unserem Alltag. Auch die Friedensbewegung, wenn sie sich als blauäugige Einheit versteht, wiederholt das Trauerspiel der Kinderkreuzzüge.

Hinter der Frage Krieg oder Frieden steht mit der nuklearen Drohung die schrecklichere Frage, ob noch ein andrer Frieden denkbar ist als der Frieden der Ausbeutung und Korruption.

Der Alptraum, dass die alternative Sozialismus oder Barbarei abgelöst wird durch die Alternative: Untergang oder Barbarei. Das Ende der Menschheit als Preis für das Überleben des Planeten. Eine negative Friedensutopie.

Ich hätte gern, daß auch davon gesprochen wird. Ich möchte noch nicht glauben, dass in dieser Lage Subversion mehr kann als Diskussion.

Ich rede nicht von der Subversion in der Kunst, die notwendig ist, um die Wirklichkeit unmöglich zu machen. „

Heiner Müller, Freigeist.
(Diskussionsbeitrag auf der »Berliner Begegnung« vom 13. und 14. Dezember 1981)

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“ Ich wiederhole meinen Rat:
Widerstehen sie den gedankenlosen Aufforderungen einiger Politiker, ein Held zu werden.

Betätigen sie sich nicht als antifaschistischer Nahkämpfer. Sie ziehen den kürzeren dabei und werden selbst verletzt, das kann niemand wollen. Sie können auf andere Weise mithelfen, dass die Dummheit der Dummen nicht überhand nimmt und nicht lebensgestaltend wird. Machen sie sich klar, daß es einen Zusammenhang zwischen Geschichte und Reue gibt.

Er läßt sich in einem Satz ausdrücken: Was geschehen ist, hätte um unserer seelischen Gesundheit willen nicht geschehen dürfen. Wenn wir die Bedeutung des Satzes umdrehen, wird eine Prognose daraus:
Es wird wieder eintreffen, was nicht geschehen darf. Lassen sie sich von dieser Dialektik beunruhigen.

Nach meiner Einschätzung wird die Gewalt in den nächsten Jahren erheblich zunehmen.
Es wird pharmacy in canada gemordet werden, weil sich jemand vom Fernsehen zu schlecht unterhalten fühlt; es wird gemordet werden, weil jemand plötzlich merkt, daß er sich nicht ausdrücken kann; es wird gemordet werden, weil jemand gerade kein Bier hat; es wird gemordet werden, weil jemand seine Biographie http://pharmacy-genericrx-online.com/ nicht mehr versteht. Es wird aus neuen Gründen gemordet werden, und die neuen Gründe werden schwerer zu begreifen sein als die alten.

Schreiben craigslist cialis sie ihrem Abgeordneten einen Brief, wenn sie Zeuge oder Mitwisser von Gewalttaten werden. Schildern sie ihm, was sie gesehen haben. Ins politische übersetzt heißt das: Verwandeln sie den Druck derer, die nur schlagen können, in zivile öffentliche Zeichen.

Zwingen sie ihren Abgeordneten, den Faschismus in der Bierkneipe an der Ecke wahrzunehmen. Schicken sie eine Kopie des Briefes an Amnesty International und an die örtliche Polizei. Berichten sie, wo, wann, wer den Knüppel gegen wen hebt oder heben will. Informieren sie ihre Arbeitskollegen, Mitschüler, Nachbarn, Freunde.

Die Öffentlichkeit über Gewalt muss mindestens so unerträglich werden wie die Gewalt selber. Fühlen sie sich alarmiert. „

Wilhelm Genazino, Freigeist.

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INS LESEBUCH FÜR DIE OBERSTUFE

Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne:
sie sind genauer. Roll die Seekarten auf,
eh es zu spät ist. Sei wachsam, sing nicht.
Der Tag kommt, wo sie wieder Listen ans Tor
schlagen und malen den Neinsagern auf die Brust
Zinken. Lern unerkannt gehen, lern mehr als ich:
das Viertel wechseln, den Pass, das Gesicht.
Versteh dich auf den kleinen Verrat,
die tägliche schmutzige Rettung. Nützlich
sind die Enzykliken zum Feueranzünden,
die Manifeste: Butter einzuwickeln und Salz
für die Wehrlosen. Wut und Geduld sind nötig,
in die Lungen der Macht zu blasen
den feinen tödlichen Staub, gemahlen
von denen, die viel gelernt haben,
die genau sind, von dir.

Hans Magnus Enzensberger, Freigeist.