Der Mensch ist…? Freigeistige Variationen über Ernstzunehmendes…


“ Jeder Mensch weiß ganz bestimmt, dass er auf der Welt allein ist. Wir leben alle im Exil. Die Natur ist stumm, aber die Menschen um uns sind es nicht minder. Fast niemals gelingt es, dass ein Mensch sich dem andern begreiflich macht. Wir missverstehen uns alle.

Bisweilen machen wir einige krampfhafte Versuche zur Liebe oder zur Freundschaft, oder wir greifen in unserer Ratlosigkeit zum Hass, indem wir glauben, er sei eine etwas handlichere Sache als die Liebe. Aber auch der Hass misslingt uns. Wir bleiben allein. Und doch gibt es nichts, das unserer Natur mehr zuwider wäre als die Einsamkeit.

Der Mensch wurde von Gott gedacht als besonnene Bestie. Dass er die Fähigkeit zur Besonnenheit besitzt, ist sein höchstes Privileg; aber dass er ein animalisches Wesen, eine Bestie mit Lebenskräften und Lebenswillen ist, das ist seine innerste Natur. Und bloß verständig sein,  weil man einfach keine Möglichkeiten hat zur Tierheit, zur lebensvollen Bestialität, weil man sie nicht versteht, also verständig aus Unverständigkeit – das ist noch gar kein Verdienst. Und wenn man mich fragen würde, für wen ich denn eigentlich bin: Für den achtbaren Geschworenen oder die angeklagte Bestie, so müsste ich antworten: Ich bin gleichmäßig gegen beide. „

Egon Friedell, Freigeist.

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“ Der Mensch ist ein Haufen Fleisch und Knochen. Dieser Haufen wird durch einen Apparat, Hirn genannt, in Bewegung gehalten. Das Hirn ruht in einer Schale, die man als Hirnschale bezeichnet. Diese Schale ist ohne sichtbare Öffnung. Dort drinnen sieht und hört das Gehirn nichts von dem, was um es herum geschieht, abgeschnitten vom Rest der Welt, wie es nun einmal ist. Deshalb handelt der Mensch mit einer, dem Beobachter so gut bekannten, charmanten Leichtfertigkeit, eine Leichtfertigkeit, die ihn charakterisiert und ihm »Persönlichkeit« verleiht, wenn ich so sagen darf. „

Erik Satie, Freigeist.

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“ Eine Fliege geht mir auf die Nerven, ich töte sie: Man tötet das, was einen ärgert. Hätte ich die Fliege nicht getötet, dann aus reinem Liberalismus: Ich bin liberal, um nicht ein Mörder zu sein. „

Roland Barthes, Freigeist.

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Bauern im südindischen Karnataka:
»Nach monatelangen fruchtlosen Protesten versammelten sie sich jetzt vor dem Parlamentsgebäude und lachten zwei Stunden lang die Regierung aus. 2000 Polizisten schauten tatenlos zu.«

Elias Canetti, Freigeist.

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“ Es bedurfte der Schlange: das Böse kann den Menschen verführen, aber nicht Mensch werden. „

Franz Kafka, Freigeist.

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“ Dank meinen Freunden, und meinen Gegnern auch. Beide gehören zum Karma – ohne sie kein Profil. „

Ernst Jünger, Freigeist.
(Schlussbemerkung aus der Begrüßungs-Rede E. Jüngers anlässlich der Feier seines
hundertsten Geburtstages am 29. März 1995)