Archiv für den Tag: 18. Juli 2010

Hofnarren sind… ? Freigeistige Variationen über Ernstzunehmendes…


 













Diego Velázquez: Der Narr Juan de Austria (1632)


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Diego Velázquez: Der Narr Diego de Acedo (1645)


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Der Maler und die Macht

“ Schonungslos realistisch malt er seine Figuren, und doch haben seine Bilder fast eine biblische Aura: Diego Velázquez, Sohn eines Kleinadeligen aus Sevilla, steigt 1623 zum Hofmaler in Madrid auf und gilt schon nach wenigen Jahren als bedeutendster Künstler Spaniens. In zahllosen Portraits verherrlicht er Phillip IV. und die königliche Familie, bannt das Leben der Aristokraten in den Palästen auf Leinwand, gibt Narren und Hofzwergen ein Gesicht. Es ist eine Zeit, in der die Kunst in Spanien zu höchster Blüte gelangt – während zugleich Größe und Reichtum des Weltreiches zu schwinden beginnen.

Am Hof weiß jeder, was er zu tun hat – und auch, was er morgen, übermorgen, den Rest seines Lebens tun wird. Diego Velázquez hat es niemals jemanden verraten, doch ein solch zwanghaftes Reglement muss ihn befremden. Schließlich interessiert ihn in seinen Gemälden das Ungewohnte, der überraschende Augenblick.

Und so durchstreift er die riesigen königlichen Paläste auf der Suche nach immer neuen, passenden Objekten für seine Kunst. Was er findet, sind Narren und Kleinwüchsige, die »Hofzwerge«.

Die Possenreisser und Behinderten am Hof werden gut bezahlt, einige haben sogar eigene Diener. Manche werden »Don« genannt, einer lässt sich mit dem Namen eines berühmten Feldherrn anreden. Sie sind lebende Kuriosa, professionelle Zeitvertreiber – und kommen der königlichen Familie so nahe wie nur deren engste Kammerdiener und Zofen.

Narren und Hofzwerge dürfen all das, was anderen Höflingen verboten ist: beim Essen reden, laut lachen, Grimassen schneiden. Unter ihnen sind kluge Köpfe. Sie erzählen dem Herrscher, was auf der Straße über ihn geredet wird.

Für die Regierung ist das nützlich: Premier Olivares (Erzieher von Phillips IV.) und seine Kollegen können die Ratschläge der Narren annehmen; sie können aber auch nur lachen und so tun, als stecke in den Scherzen keine Wahrheit.

Diego Velázquez mag die Spaßmacher, die alle Regeln außer Kraft setzen. Später werden sie sein bevorzugtes Motiv. Keinen von ihnen malt er als lächerliche Figur. Sondern zeigt sie im Ganzkörperportrait – so, wie seit den von Tizian gemalten Bildnissen Karls V. vor allem Herrscher ins Bild treten.

Einem Hofzwerg, der sich »Der Philosoph« rufen lässt, legt Diego Velázquez einen schweren Folianten auf den Schoß. Der schwarz gekleidete Mann blättert darin und schaut den Betrachter mit wissendem Blick aus tiefdunklen Augen an.

Kia Vahland, Kunsthistorikerin. 


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Diego Velázquez: Der Narr Sebastian de Morra (1646)


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Diego Velázquez: Der Narr Christóbal de Castañeda de Silva y Pernia (1635)


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Diego Velázquez: Der Narr Pablo de Valladolid (1635)


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Diego Velázquez: Der Hofnarr Calabicallas (1636)