William C. Seitz
(Aus: »The Rise and Dissolution of the Avant-Garde«, “Vogue”, 1963)
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” Dem heutigen Künstler bietet sich ein Katalog von Stilen an, und er ist eingeladen, daraus zu wählen. Er weiß jedoch, dass die letzte Ausgabe des Stilbuches bereits überholt ist. Alles, was in der Kunst gemacht worden ist, öffnet ein neues Tor. Dem Tor gegenüber aber steht eine leere Wand. Für den Künstler erscheint es sinnlos, hat jemand anderer den Schritt dorthin getan, ihn noch einmal zu machen. Tatsächlich versperrt daher jede Erfindung einen weiteren Zugang. Hat das Neue auf diese Weise traditionelle Erscheinungsformen in der Kunst aufgehoben oder unterdrückt, ist es an dem Punkt angelangt, wo es sich selbst aufhebt. “
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” Der Maler malt, wie der Ochs brüllt – oder er ist kein Maler. Er malt wie andere gehen, stehen oder schwitzen. Malerei ist eine geistig-vegetative Verdauungsform. In unseren Tagen vergessen. Wie das geschah? Der Maler zog mit dem Sametjackett und der Künstlermähne die Lebensform aus, die Überzeugung, Boheme, Antibourgeoisie, Haltung äußerlich darstellte. Die Hornbrille, das Motorrad, das bisschen Wissen um Maschinen hat den Malern sehr schlecht getan. Sie stellen sich hin und malen ohne jede Überzeugung, ohne Not Bilder, wie sie vor hundert Jahren Waldmüller, Blechen, Runge, Friedrich und andere gemalt haben – nur mit dem Unterschied, dass dort Trieb, Drang und Müssen war, was heute organisierte kleine Originalitätssucht ist.
In unserer Zeit wird aus dem genialisch-tuenden Künstler ein meist schizophrener Parasit, der nur deshalb nicht ganz aus der Gesellschaft verschwindet, d. h. in Irrenanstalten untergebracht wird, weil er harmlos ist und auch die Bourgeoisie als Abnehmerklasse schizophren geworden ist. Jede soziologische Einordnungsmöglichkeit nimmt steigend ab. “
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” Wenn wir auch im Leben alles tun, um der Angst zu entgehen, in der Kunst müssen wir uns doch auf sie einlassen. Das ist schwer. “
