Archiv für den Tag: 14. Juli 2010

Positive Immagepflege ist…? Freigeistige Variationen über Ernstzunehmendes…

 

Die Geber und die Nehmer

Über drei Millionen Euro hat die Landesregierung im Jahr 2009 für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung ausgegeben. Und will in Sparzeiten noch mehr für „Kommunikation“ aufwenden.
Gut fünf Monate dauerte es, bis alle Landesräte die Anfrage von Riccardo Dello Sbarba und Hans Heiss beantworteten. Am 21. Jänner hatten die beiden Landtagsabgeordneten der Grünen eine Anfrage an Landeshauptmann Luis Durnwalder gerichtet: Wie viel geben die einzelnen Landesräte für Öffentlichkeitsarbeit aus, für Radiowerbung, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, für Plakate und Broschüren? Die erste Antwort – in schriftlicher Form – gab der Landeshauptmann selber am 11. April, die letzte kam von Sabina Kasslatter-Mur, zuständig für Bildung, deutsche Schule und Kultur, am 24. Juni. (…)

ff – Das Südtiroler Wochenmagazin, Ausgabe 27 vom 08. Juli 2010

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XVI. Von der Freizügigkeit und Knauserei

Ich beginne mit der ersten der obengenannten Eigenschaften und sage, dass es gut sei, für freigebig zu gelten. Hingegen ist die Freigebigkeit, die du so ausübst, dass sie dir nicht angerechnet wird, schädlich. Denn wird sie auch in rechter Weise ausgeübt, aber nicht bekannt, so ersparst du dir nicht einmal den üblen Ruf des Gegenteils.

Will man sich also den Ruf der Freigebigkeit unter den Menschen erhalten, so darf man keine Art von Aufwand sparen, und dabei vertut ein freigebiger Fürst alles, was er hat, in solchen Ausgaben, und wenn er sich den Ruf der Freigebigkeit erhalten will, so wird er schließlich genötigt, das Volk mit Auflagen zu bedrücken und alles Mögliche zu versuchen, um zu Gelde zu kommen. Das aber macht ihn bei seinen Untertanen auf die Dauer verhasst, und gerät er in Armut, so wird er verachtet.

Ein kluger Fürst also, der die Tugend der Freigebigkeit nicht derart ausüben kann, dass sie bekannt wird, darf den Ruf der Knauserei nicht fürchten…

Niccolò Machiavelli  (1469-1527), Freigeist. 
(Aus: » Il Principe«, päpstliche Druckgenehmigung 1532)


 “ Nicht die Schärfe der Beobachtung und die Klarheit des Gedankens allein haben es zu einem der berühmtesten Bücher gemacht. Es kam noch ein weiteres Element dazu: der Reiz des Verbotenen, des Frevelhaften, ja des Dämonischen, das man sonst an skrupellosen, aber erfolgreichen Handlungen und an Menschen der Tat zu bewundern gewohnt war.

Die Anziehungskraft des Buches vom Fürsten ist auch nicht durch die perverse Lust der Betrogenen zu erklären, die Regeln, nach welchen sie hintergangen werden, einmal gedruckt zu sehen.

Im Zeitalter der doppelten Moral und der Staatsraison, schließlich des Absolutismus, galt das Buch vom Fürsten als ein Lehrbuch der Treulosigkeit und des Bösen. Der englische Staatskanzler Francis Bacon, der selber mit der Moral nicht in einem ungetrübten Verhältnis lebte, brachte das Problem auf die Formel, Machiavelli schildere die Menschen nicht wie sie sein sollen, sondern wie sie sind, und wer ihn verlästere, der habe ihn nicht gelesen, so doch nicht verstanden.

Machiavelli hat die Gesetze politischer Mechanik innerhalb eines Staatswesens zu formulieren versucht wie Copernikus die Gesetze der Mechanik der Himmelskörper. Es ist nicht gut, ein solches Unternehmen zu dämonisieren, auch wenn es bestehende Vorurteile verletzt. Luthers Staatslehre oder die Pascals ist erschreckender.

»Verantwortungspolitik« nannte Max Weber ein Handeln, wie es vom Politiker gefordert wird. Und das heißt nicht nur, einzustehen für die Wirkungen unseres Tuns, Gewalt zu gebrauchen, um schlimmeres zu vermeiden, sondern die vorhersehbaren Folgen zu berechnen. Machiavelli vermochte die Übel, die er diagnostizierte, nicht zu beheben, aber er hat Erkenntnis daraus gewonnen. „

Horst Günther im Nachwort zu 

» Il Principe« (Auszug: insel-taschenbuch, 1990)