Artikel I:
Die Frau ist frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten. Die sozialen Unterschiede können nur im allgemeinen Nutzen begründet sein.
Artikel III:
Die Legitimität jeder Herrschaft ruht wesentlich in der Nation, die nichts anders darstellt als eine Vereinigung von Frauen und Männern. Keine Körperschaft und keine einzelne Person kann Macht ausüben, die nicht ausdrücklich daraus hervorgeht.
Artikel V:
Die Gesetze der Natur und Vernunft wehren alle Handlungen ab, die ihr schaden könnten. Alles, was durch diese weisen und göttlichen Gesetze nicht verboten ist, darf nicht behindert werden, und niemand darf gezwungen werden, etwas zu tun, was diese Gesetze nicht ausdrücklich vorschreiben.
Artikel VII:
Für Frauen gibt es keine Sonderrechte; sie werden verklagt, in Haft genommen und gehalten wie immer es das Gesetz vorsieht. Frauen unterstehen wie Männer den gleichen Strafgesetzen.
Artikel IX:
Die gesetzliche Strenge muss gegenüber jeder Frau walten, die für schuldig befunden wurde.
Artikel XI:
Die freie Gedanken- und Meinungsäußerung ist eines der kostbarsten Rechte der Frau, denn diese Freiheit garantiert die Vaterschaft der Väter an ihren Kindern. Jede Bürgerin kann folglich in aller Freiheit sagen: »Ich bin die Mutter eines Kindes, das du gezeugt hast«, ohne dass ein barbarisches Vorurteil sie zwingt, die Wahrheit zu verschleiern. Dadurch soll ihr nicht die Verantwortung für den Missbrauch dieser Freiheit in den Fällen, die das Gesetz bestimmt, abgenommen werden.
Artikel XIII:
Für den Unterhalt der Polizei und für die Verwaltungskosten werden von der Frau wie von dem Manne gleiche Beiträge gefordert. Hat die Frau teil an allen Pflichten und Lasten, dann muss sie ebenso teilhaben an der Verteilung der Posten und Arbeiten, in niederen und hohen Ämtern und im Gewerbe.
Artikel XV:
Die weibliche Bevölkerung, die gleich der männlichen Beiträge leistet, hat das Recht, von jeder öffentlichen Instanz einen Rechenschaftsbericht zu verlangen.
Artikel XVII:
Das Eigentum gehört beiden Geschlechtern vereint oder einzeln. Jede Person hat darauf eine unverletzliches und heiliges Anrecht. Niemanden darf es als eigentliches Erbteil vorenthalten werden, es sei denn, eine öffentliche Notwendigkeit, die rechtmäßig ausgewiesen wurde, mache es erforderlich, natürlich unter der Voraussetzung einer gerechten und vorher festgesetzten Entschädigung.
°
“Es ist nicht egal, wo du hineingeboren wirst”
Standard: Die ersten Plakate von Ihnen wurden am 8. März affichiert. Ein Zufall?
Klimt-Weithaler: Nein, wir wollten damit aufzeigen, wie wenig Frauen noch immer in Spitzenpositionen sind. Das ist ein Kernthema von uns. Bei der letzten Landtagssitzung haben wir es auch geschafft, dass in das Wirtschaftsförderungsgesetz Richtlinien aufgenommen wurden, die für Frauenförderung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgen. (…)
Standard: In die auch bürgerliche und adelige Grazer ihre Kinder bringen …
Klimt-Weithaler: Ja, das ist das Schöne daran: Alle Menschen finden ihren Weg zu uns.
°
Martell – Heidi Gamper ist die eine der wenigen jungen Gemeinderätinnen im Vinschgau, die sich Referentin nennen darf. Sie ist in ihrer Heimat gemeinde Martell für Sport, Vereine, Frauen, Senioren, Jugend und Personennahverkehr zuständig. (…)
Angesichts der sich im Steigen befindenden Anzahl von weiblichen Politikern, man denke nur an die vielen Vizebürgermeisterinnen im Vinschgau, scheint es so, als ob Frauen immer höhere politische Ämter besetzen. Warum haben es die Frauen dennoch schwer, sich in der Politik zu behaupten und woran kann das liegen?
Heidi Gamper: In der Jugendpolitik habe ich eigentlich immer das Gefühl gehabt, gleichberechtigt zu sein und mit den männlichen Kollegen auf der selben Ebene zu stehen. Aber dieses Gefühl stellt sich ein, sobald man als Frau an einen gewissen Punkt kommt, wo einem klar wird, dass man eine noch bessere Leistung erzielen muss, um dieselben Ziele wie die Männer zu erreichen. Nicht nur in der Politik, einer von Männern dominierten Welt, sondern auch in der Berufswelt haben es Frauen schwerer. Frauen können schließlich schwanger werden und fallen prinzipiell laut Meinung der Männer einfach aus. So kommt es, dass Frauen immer wieder ihre Kompetenz beweisen müssen, und dieser sogenannte „Aha- Effekt“, wenn Frauen dies schaffen, ist immer wieder spürbar, egal in welcher Gesellschaft man sich bewegt. Deshalb sollte es auch mehr Netzwerke unter Frauen geben, damit sie sich gegenseitig unterstützen und helfen können. (…)