Dinge,
die nah und fern sind:
das Paradies,
der Weg eines Bootes,
die Beziehung zwischen Mann und Frau.
Das Haar gewaschen,
Schminke angelegt
und ein nach köstlichem Räucherwerk duftendes Kleid angezogen.
In welch eine wundervolle Stimmung versetzt uns das,
selbst wenn uns niemand sieht.
Was eine schöne Erinnerung weckt:
getrocknete Stockrosen,
Dinge, die für das Puppenfest gebraucht werden,
ein violetter oder weinrebenfarbener Stoffrest,
den man flach gedrückt in einem Buch entdeckt
und bei dem man sich an die Anfertigung eines Gewands erinnert,
an einem langweiligen Regentag Briefe eines ehemaligen Geliebten finden,
eine helle Mondnacht.
Im Sommer
ist mir die Nacht am liebsten.
Natürlich bewundere ich das Mondlicht;
aber ich liebe auch die Finsternis,
wenn Glühwürmchen vorüberfliegen.
Selbst bei Regen hat die Sommernacht einen Reiz für mich.
Kitagawa Utamaro (1753-1806)
Im Herbst ziehe ich den Abend vor.
Die untergehende Sonne schickt ihre leuchtenden Strahlen aus
und nähert sich den Bergkämmen.
Da fliegen die Raben zu ihren Schlafstätten,
und wenn man sie zu dritt, zu viert, zu zweit vorbeiziehen
sieht,
erfüllt einen sanfte Wehmut.
Und noch hübscher sind die langen Reihen von Wildgänsen,
die ganz winzig erscheinen!
Nachdem die Sonne dann verschwunden ist,
verströmt das Geräusch des Windes
und das Zirpen der Insekten eine Melancholie,
die mich fasziniert.
Kitagawa Utamaro (1753-1806)
Im Winter,
wenn man sich bei großer Kälte
neben dem Freund tief unter die Decken kuschelt und ihm lauscht,
ist es wunderbar
auch den Klang einer Glocke zu hören,
der aus der Tiefe aufzuscheinen scheint.
Kitagawa Utamaro (1753-1806)
Im Winter
liebe ich die ganz frühen Morgenstunden.
Über den Zauber von Schnee braucht man ja weiter nichts sagen;
doch ich mag auch den Reif
wegen seiner großen Reinheit
oder
einfach die Eiseskälte …
” Vor tausend Jahren bekam die japanische Kaiserin Teishi von ihrem Bruder einen Stoß Papier geschenkt. Erlesen schönes Papier. Auf so edlem Material pflegten die Herren des Kaiserhofes Gedichte und Chroniken zu verfassen oder abzuschreiben. Und zwar meist auf Chinesisch, weil diese Sprache – wie das Latein im europäischen Mittelalter – damals die Sprache der Gebildeten in Japan war. Was würden die Damen der Kaiserin mit solchem Papier anfangen? Dass sie es ebenfalls mit chinesischen Schriftzeichen füllen würden, war nicht zu erwarten. Es wäre nicht ladylike gewesen. Frauen sollten in ihrer Muttersprache schreiben und dazu eine phonetische Silbenschrift benutzen.
Gunhild Kübler, Redakteurin der »NZZ am Sonntag«.






