Archiv für den Monat: Mai 2010

(Vielleicht) Ewig Freigeistgültiges über Politik des Vatikans…


“ Der Kardinalskonvent mit seiner Überheblichkeit und Habsucht, seiner Heuchelei und vielfältigen Unsittlichkeit, stellt wahrhaft nicht die Kirche Gottes dar, sondern ein Bank- und Schacherhaus vielmehr und eine Spelunke von Räubern, welche die Geschäfte der Pharisäer und Schriftgelehrten verrichten im Christenvolk…
Selbst der Papst ist nicht, was er zu sein behauptet, ein apostolischer Mann und Hirte der Seelen, sondern ein Blutmensch ist er, der Mord und Sengen mit seinem Amte heiligt, ein Peiniger der Kirche und Ängstiger der Unschuld; nichts anderes treibt er auf dieser Welt; denn dass er sein Fleisch pfleget; die eignen Beutel füllt er an und fremde Beutel leert er aus… „

Arnold von Brescia in einer Predigt 1149

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All Zungen soll’n zu Gotte schreien Wehe
und rufen ihm, wie lang er wolle schlafen!
Sie widerwirken seinem Werk und fälschen seine Wort‘.
Sein Kämmerer, der stiehlt ihm seinen Himmelshort,
sein Mittler mordet hier und raubet dort,
sein Hirt ist z‘ einem Wolf ihm worden unter seinen Schafen.

Walter von der Vogelweide, um 1212

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“ Als ich einige Zeit an der Kurie zugebracht hatte, fand ich gar vieles, was meinem Geiste widerstand: So sehr war man dort mit weltlichen und zeitlichen Dingen beschäftigt, mit Königen und Königreichen, mit Hader und Streit, dass kaum noch ein Wort von geistlichen Dingen sich reden ließ… „

Jakob von Vitry, Bischof von Akkon, 1212

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“ Sooft ich in der Bibel lese, finde ich eine ganz andere Religion, als die wir jetzt haben. „

Bischof Johannes VI. von Meissen (1444-1518)

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“ Wir wollen das Wort Treue so wenig missbrauchen wie den Namen Gottes…
Die Treue um jeden Preis sei Eure Parole!
Treu dem Vermächtnis der Toten! 
Treu deinen Kameraden! 
Treu Deinen Vorgesetzten!
Treu dem Führer und dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht!
… der Treu-Schwur, den ihr in der Stunde Eurer Verteidigung dem Führer und dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht geschenkt und durch alle Phasen dieses gigantischen Ringens unentwegt hindurch getragen habt, wird in der Stunde des Sieges eine herrlichste Krönung erfahren…
Möge der getreue Gott Euch dazu verhelfen und Euch segnen. „

Der katholische Feldbischof der Deutschen Wehrmacht in einem Hirtenbrief vom 15. August 1942

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“ Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.
Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.
Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. „

Jesus Christus  in der »Rede von der wahren Gerechtigkeit« (Bergpredigt), zitiert nach dem Evangelium nach Matthäus.

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“ Ausgerechnet an Weihnachten (1966) sagte Kardinal Spellmann bei einer Christmette auf einem US-Luftstützpunkt in der nähe Saigons: 
»Der Krieg in Vietnam ist nach meiner Meinung ein Krieg zur Verteidigung der Zivilisation. Es steht fest, dass wir ihn nicht gewollt haben. Er ist uns aufgezwungen worden. Wir können nicht vor der Tyrannei zurückweichen. Wie unser Präsident und unser Außenminister gesagt haben, gewinnt man einen Krieg nicht halb. Aus diesem Grunde beten wir auch, dass der Mut und die Hingabe unserer Soldaten nicht vergeblich bleiben, auf dass der Sieg rasch errungen werde, dieser Sieg, den wir mit all unseren Kräften in Vietnam und in der ganzen übrigen Welt erflehen. Jede andere Lösung außer Sieg ist unvorstellbar. Wir müssen siegen, da auf diese Weise bewahrt wird, was wir Zivilisation nennen.«

Da Papst Paul VI während des Vietnamkriegs, ja, während seines ganzen Pontifikats so beredt »Frieden, Frieden« rief, kam Rom an einem Statement nicht vorbei. Ein hoher Vertreter des Vatikans äußerte:
»Der Papst ist der Meinung, dass eher ein Verhandlungsfriede als ein militärischer Sieg der einen Seite der Weg ist, den Krieg zu beenden. Das hat der Papst in zahllosen Appellen klar herausgestellt.« Der Kuriensprecher betonte, dies bedeute keinen Tadel des Kardinals. Vielmehr sei »verständlich, dass der oberste Militärgeistliche den Soldaten einer Nation sagen muss, dass sie ihre Pflicht zu tun haben« – »eine Aufgabe, die sich von den breiteren Fragen der allgemeinen Kirchenpolitik deutlich unterscheidet, für die allein der Papst Sprecher ist.«

So ist es. So war es im Verlauf dieses ganzen Jahrhunderts Heilsgeschichte: Der Papst ruft zum Frieden – sein Klerus zum Schlachten auf. Und das Ganze bezeichnet sich und gilt auch als moralisches Gewissen der Welt. Vor dieser blutigen Heuchelei der Geschichte versagt jede Apologie. Wird jeder Friedensschrei zur Farce. Und jedes päpstliche Lächeln zur Fratze. „

Karlheinz Deschner, 
(Aus: »Die Politik der Päpste im 20.Jahrhundert«, 1982)