Archiv für den Monat: März 2010

Freigeistige Lektionen der Stille: Aus den Zen-Gärten des fernen Ostens (I)

 

“ Gleichmut und Weisheit sind im Wesentlichen eins – sie sind nicht zwei. Gleichmut ist die Grundlage der Weisheit. Weisheit ist die Funktion des Gleichmuts…
Wenn im Mund Tugend herrscht, im Geist aber nicht, so sind Gleichmut und Weisheit eitel und keineswegs identisch. Aber wenn im Geist und im Mund Tugend herrscht und wenn das Innere und das Äußere wie eins sind, dann sind Gleichmut und Weisheit identisch. Wenn du mit Selbstverwirklichung befasst bist, sei nicht mit Disputieren befasst. Wenn du darüber disputierst, was zuerst kommt und was folgt, bist du nicht anders als ein Verblendeter; du hast dich nicht von Gewinn und Verlust befreit; du vertiefst nur deine Ichsucht…
Womit sollen wir Gleichmut und Weisheit vergleichen? Sie sind wie das Licht einer Lampe. Wenn du die Lampe hast, kannst du Licht haben, aber ohne Lampe muss es finster bleiben, da die Lampe die Grundlage des Lichtes ist und das Licht der Zweck der Lampe. Trotz der zwei Namen ist ihre Grundlage ein und dieselbe. Mit der Doktrin von Weisheit und Gleichmut verhält es sich genauso. „

Huineng (638-713)

“ Ursachen sind komplex und gehören unterschiedlichen Zeitstufen an. Die Bemühungen des Einzelnen sind nicht der einzig bestimmende Faktor seiner Lebensumstände, denn jeder ist nur ein Teil des Netzes von Gesellschaft und Natur sowie des Kontinuums der Zeit. Es ist normal, dass die Menschen aufgrund ihres Verkennens der wirklichen Verhältnisse falsche kausale Zusammenhänge herstellen.
Jede Ursache ist die Wirkung von etwas anderem und jede Wirkung ist die Ursache von etwas anderem. Was wie ein Fluch aussieht, könnte ein Segen sein, und was wie ein Segen aussieht, könnte ein Fluch sein. Not ist ein Segen, wenn sie zu Bemühung und Entwicklung anspornt; Wohlstand ist ein Fluch, wenn er Selbstgefälligkeit und Unmaß fördert. „

Muso Kokushi (1275-1351)