XONG_2010: Freigeistiges Handorakel… (I)

Ständchen

Nicht an der Narrenkrankheit sterben. Meistens sterben die Weisen, nachdem sie den Verstand verloren haben; die Narren hingegen voll von gutem Rat. Wie ein Narr sterben, heißt, an zu vielem Denken sterben. Einige sterben weil die denken und empfinden; andere leben weil sie denken und empfinden; diese sind Narren, weil sie nicht vor Schmerz sterben, und jene, weil sie es tun. Ein Narr ist, wer an zu großem Verstande stirbt; demnach sterben einige, weil sie gescheit, und leben andere, weil sie nicht gescheit sind. Jedoch obgleich viele wie Narren sterben, so sterben doch wenige Narren.

In der Ferne

Sich zu verpflanzen wissen. Es gibt Nationen, die, um zu gelten, versetzt werden müssen; zumal in Hinsicht auf hohe Stellen. Das Vaterland ist allemal stiefmütterlich gegen ausgezeichnete Talente, denn in ihm, als dem Boden, dem sie entsprossen, herrscht der Neid, und man erinnert sich mehr der Unvollkommenheit, mit der jemand anfing, als der Größe, zu der er gelangt ist. Eine Nadel konnte Wertschätzung erhalten, nachdem sie von einer Welt zur anderen gereist war, und ein Glas, weil es in ein anderes Land gebracht worden, machte Diamanten geringgeschätzt. Alles Fremde wird geachtet, teils weil es von weither kommt, teils weil man es ganz fertig und in seiner Vollkommenheit erhält. Leute hat man gesehen, die einst die Verachtung ihres Winkels waren und jetzt die Ehre der Welt sind, hochgeschätzt von ihren Landleuten und von den Fremden; von jenen, weil sie von weitem, von diesen, weil sie sie als weither sehen. Nie wird der die Statue auf dem Altar gehörig verehren, der sie als einen Stamm im Garten gekannt hat.

Kriegers Ahnung

Nicht gänzlich eine Taubennatur haben, sondern schlau wie die Schlange und ohne Falsch wie die Taube sein. Nichts ist leichter als einen redlichen Mann zu hintergehen. Viel glaubt, wer nie lügt, und viel traut, wer nie täuscht. Es entspringt nicht allemal aus Dummheit, dass man betrogen wird; sondern bisweilen aus Güte. Zwei Arten von Leuten wissen sich gut vor Schaden zu hüten: die Erfahrenen, gar sehr auf ihre Kosten; und die Verschmitzten, gar sehr auf fremde. Die Klugheit gehe eben so weit im Argwohn als die Verschmitztheit im Fallenstellen, und keiner wolle in dem Maße redlich sein, dass er den andern Gelegenheit gäbe, unredlich zu sein. Man vereinige in sich die Taube und die Schlange, nicht als ein Ungeheuer, sondern vielmehr als ein Wunder.

Am Meer

Warten können. Es beweist ein großes Herz mit Reichtum an Geduld, wenn man nie in eiliger Hitze, nie leidenschaftlich ist. Erst sei man Herr über sich, so wird man es nachher über andere sein. Nur durch die weiten Räume der Zeit gelangt man zum Mittelpunkt der Gelegenheit. Weise Zurückhaltung bringt die richtigen, lange geheim zu haltenden Beschlüsse zur Reife. Die Krücke der Zeit richtet mehr aus als die eiserne Keule des Herkules. Gott selbst züchtigt nicht mit dem Knittel, sondern mit der Zeit. Ein großes Wort: Die Zeit und ich nehmen es mit zwei anderen auf. Das Glück selbst krönt das Warten durch die Größe des Lohns.

Aufenthalt

Man soll wissen, dass es Pöbel überall gibt, selbst im schönen Korinth, selbst in auserlesensten Familie. Jeder macht ja die Erfahrung in seinem eigenen Hause. Nun gibt es aber Pöbel und Gegenpöbel, der noch schlimmer ist; dieser spezielle teilt mit dem allgemeinen alle Eigenschaften, wie die Stücke des zerbrochenen Spiegels, er ist aber schädlicher: Er redet dumm, tadelt verkehrt, er ist ein großer Schüler der Unwissenheit, Gönner und Patron der Narrheit und Bundesgenosse der Klatscherei; man beachte nicht, was er sagt, noch weniger, was er

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denkt. Es ist wichtig ihn zu kennen, um sich von ihm zu befreien, denn jede Dummheit ist Pöbelhaftigkeit, und der Pöbel besteht besteht aus Dummen.

Abschied

Das Ende bedenken. Wenn man in das Haus des Glückes durch die Pforte des Jubels eintritt, so wird man durch die des Wehklagens wieder heraustreten, und umgekehrt. Daher soll man auf das Ende bedacht sein und seine Sorgfalt mehr auf ein glückliches Abgehen als auf den Beifall beim Auftreten richten. Es ist das ungewöhnliche Los der Unglückskinder, einen gar fröhlichen Anfang, aber ein sehr tragisches Ende zu erleben. Das so gemeine Beifallsklatschen beim Auftreten ist nicht die Hauptsache, allen wird es zuteil, sondern das allgemeine Gefühl, das sich bei unserem Abtreten äußert. Denn die Zurückgewünschten sind selten. Wenige geleitet das Glück bis an die Schwelle; so höflich es gegen die Ankommenden zu sein pflegt, so schnöde gegen die Abgehenden.

Balthasar Gracián, Freigeist und Jesuitenpater (1601-1658)

1 Kommentar zu „XONG_2010: Freigeistiges Handorakel… (I)“

  1. Nikolas sagt:

    Hallo,

    die Maximen aus dem Handorakel sind wirklich klasse. Online können Sie es auch hier lesen: http://www.handorakel.de

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